WAS DAS NETZWERK KANN – Oder: Was man selber nicht verlernt. (Glückwunsch btw. an das Esport-Team des 1. FC Heidenheim 1846!)

Nach dem Corona-Ding (ihr wisst schon – das, was uns da jetzt seit über einem Jahr begleitet), war im letzten Jahr das Thema Esport leider weniger Teil meines Lebens, als ich es seit 2014 gewohnt war.
Neben ein paar schönen Produktionen, an denen wir u.a. für die Esport-Factory in Osnabrück arbeiten durften, gab es keine Events. Zumindest nicht so, wie ich es von den Vorjahren gewohnt war.

Was einem da am meisten fehlt ist gar nicht nur die Atmosphäre und die Crew, sondern auch das, was man umsetzen konnte. Direktes Feedback auf Videos für Playoffs, Teamvorstellung etc. ist eine Sache, die die Eventarbeit einfach spannend macht. Du produzierst, du lieferst ab – und bestenfalls ist 2 Tage später dein Video auf dem Stream (noch schöner: in der Arena) zu sehen und man sieht sofort, was man „geschaffen hat“.

Durch das gefühlt-durch-matsch-watende letzte Jahr, wo sich durch Kurzarbeit und schwierige Einigungen zu Drehvereinbarungen Deadlines enorm verzögert haben oder Drehs zum Teil nicht stattgefunden haben, war es ein sehr gutes Gefühl im Februar 2021 von der ESL angefragt zu werden, ob ich nicht Lust hätte an einem Projekt für die VBL CC (die Clubchampionship der Virtuellen Bundesliga) mitzuarbeiten.

Die Idee war von vorneherein mega gut und gab mir das Gefühl von Auftrieb: Homestories/Vereinsstories und Spielerportraits VOR ORT umsetzen. Original Content. Endlich mal wieder. Ich glaube jeder, der schonmal ein gutes Portrait oder Feature egal in welchem Sport-Bereich gesehen hat weiß wie schade ist, wenn eben dieser emotionale Content fehlt.
Die Herausforderung war allerdings auch direkt zu Beginn deutlich: Die VBL CC ist eben eine Liga, Spieltermine sind gesetzt, in beiden Divisionen war es zum Teil auch noch richtig eng, was die Punkte anging. Also war klar: Wir haben 2 Wochen für 8 Teams. Diese können überall in Deutschland ansässig sein. Nicht alle Spieler leben an den Orten, wo ihr Verein zu Hause ist.
4 Teams qualifizieren sich erst am 16.03.+ 17.03. Das Grandfinal findet aber wie gesetzt am 27.+28. statt.

Der Content will aber für alle Teams vorbereitet sein, denn man spielt bei sowas nicht Glaskugel. Würde ich auf ein anderes Team setzen, als das, was dann letztlich weiterkommt, kommt die Nachtschicht quasi von alleine – bis hierhin war also schon klar, die Vorbereitung wird schwierig – aber machbar.

Als es an die Terminfindung ging, ging es natürlich auch darum den Teams zu ermöglichen, sich so gut es geht Termine auszusuchen. Bei den ersten 4 Teams war das easy und ließ sich auch gut koordinieren, bei den letzten habe ich mich schon schlecht gefühlt, dass ich den Teams nur einzelne Tage anbieten konnte, an denen wir rumkommen könnten – denn klar, das würde ich immer gerne am Liebsten einen Monat vorher kommunizieren. Aber wie soll das gehen, wenn auch unsere Kapazitäten an Freelancern begrenzt sind und quasi an Tag 1 Heidenheim gedreht wird und an Tag 2 St. Pauli an der Reihe wäre?

Hier kommt der Knackpunkt. Das hat funktioniert. Ich habe mich zwar so gefühlt, als würde ich bunte Blöcke im Kalender von A nach B schieben um irgendwie einen Plan zu sehen ohne, dass sich einer ergeben hat – aber es war möglich. Und das lag in erster Linie nicht an mir.

Ich glaube, wer den Esport nicht kennt, der denkt immer noch, dass es hier um Keller geht, in denen einfach ein bisschen gedaddelt wird. Spoiler: Ist nicht so. Und dieses Projekt hat mir einmal wieder gezeigt, mit was für unglaublich guten und professionellen Leuten wir hinter den Kulissen zu tun haben. Da unterteile ich bei diesem Projekt in 3 Gruppen.


Die Vereine und Ansprechpartner: Ich habe selten eine so unkomplizierte und zuvorkommende Art erlebt, wie bei all den Menschen, die ich auf meiner AP-Liste stehen hatte. Wenn ich am Telefon nach 2 Minuten gemerkt habe, ich rede gar nicht mit Verein X sondern Y – nach dem 6ten Call am Tag – wurde mir verständnisvoll entgegen gebracht, dass alles okay ist. Die Mühen die aufgebracht wurden, um diese Drehs möglich zu machen (Locations, Zugänge, Material, Corona-Tests etc.) sehe ich nicht als selbstverständlich an und habe diese Art der Kommunikation und Zusammenarbeit sehr geschätzt. Das ist nicht normal, dass ist Möglich-Machen. Klar, am Ende haben alle etwas von den Videos – aber solche Videos können nur klappen, wenn alle am gleichen Strang ziehen. Und lass es das FIFA-Universum sein, aber hier tun das alle.
Von den Teams, die unterwegs waren, gab es ausnahmslos positives Feedback. Freundlich, höflich, motiviert – also nicht nur die APs vor Ort, sondern auch die Spieler. Als die ersten Drehs durch waren und dieses Feedback uneingeschränkt so zurückgekommen ist, wurde ich langsam etwas ruhiger.

Die Drehteams: Dass Drehs dann gut über die Bühne gegangen sind, dass das Feedback durchweg positiv war, ich sogar Mails bekommen habe, dass es ein schöner Tag war – das ist nur den Drehteams vor Ort zu verdanken. Z.T. 8 Tage am Stück unterwegs, abends aus dem Hotel das Material uploaden, Feedback geben, was geklappt hat und wo sich etwas geändert hat. Sowas kann man nicht einfach so mit jedem x-Beliebigen Kollegen machen. Dafür braucht man Leute, denen man vertraut. Wenn das nicht gegeben wäre, dann kann so eine Produktion nicht stattfinden. Und das habe ich hier nochmal vollends gespürt.

Die Cutter: Wenn das Material dann da ist (Abends um 22 Uhr) jemandem schreiben zu können: Hey, kannste dir runterziehen und morgen dann loslegen! – ist genau so wenig selbstverständlich. Das Netzwerk in dem ich mich glücklicherweise bewegen darf und bewege, hängt sehr eng zusammen. Keiner „rockt einfach was runter“ wenn er weiß, wie viel die anderen als Drehteam in den Videodreh reingelegt haben. Wenn Material nicht rechtzeitig ankommt und der Schnitt noch nicht starten kann – ich glaube nicht, dass in so einer Situation jeder Mensch mit „Keine Sorge, ich schaffe das morgen trotzdem irgendwie“ reagieren würde.

Ich war am Freitag richtig fertig. Ich bin selber noch in den Schnitt mit eingestiegen, um die Videos leisten zu können. Als ich mein letztes Video abgegeben hatte, konnte ich aufatmen. Vielleicht fragst du Dich jetzt beim Lesen: Was’n mit ihr? Gut, hat Telefondienst 24/7 gemacht, aber musste doch selber gar nicht ran! – dann kann ich dir nur sagen: Hallelujah, genau das habe ich auch gedacht.

Als am Samstag dann Tag 1 der Show war und die ersten Feature liefen, war ich oberhappy. Ich habe den Content als ideal für die Show empfunden und hoffe, dass es den anderen Zuschauern und dem Rest der Produktion ebenfalls so ging.

Aber ich konnte mir nicht helfen, ich war so erschöpft wie lange nicht mehr. Zwischenzeitlich auch ein bisschen traurig, dass ich selber nicht rausfahren konnte, weil einfach zu viel zu organisieren war. Und im Gespräch danach, mit Alex von der ESL, fiel ein wichtiger Satz, den ich mir auch sehr zu Herzen nehme. „Wir können es noch“, hat er gesagt. Muss man sich einfach mal vor Augen führen. Was man ewig macht, seit Jahren schon, fühlt sich plötzlich wie das Besteigen des Mt. Everest an, wenn man es eben 1 Jahr lang nicht geleistet hat. Man ist viel krasser unter Spannung, irgendwie konstant unter Strom. Man schläft nicht gut, man ist rastlos. Man hat richtig Schiss, dass etwas nicht klappt.

Und jetzt, nach ein paar Tagen off kann ich nur sagen: Das ist ja eigentlich ziemlich normal, will ich mal behaupten.
Zumindest dann, wenn man es – egal worum es geht – mit Leidenschaft macht.
Ob auf dem Rasen oder an der Konsole. Vor oder hinter der Kamera.
Am Ende zählt das Herz.

<3
ESL OAP
Mira & Jan
Raoul
Filmhandwerk
Katrin Baldrich
Rostock Rotates